Amerika – Gottes eigenes Land der unbegrenzten Möglichkeiten

Gerade näherte sich im Ersten unter “Die lange US-Nacht 2012” – “Der Kampf ums Weiße Haus” die Gegenüberstellung von Obama und Romney ihrem Ende, da rief ein alter Freund an und riet mir, den Fernseher einzuschalten und auf die ARD zu gehen.
“Bin schon drauf.”
“Dann bleib drauf und warte ab, was noch kommt. Dann lernst du Amerika richtig kennen…”

Ich kenne Amerika zur Genüge.
Der “TV-Browser” auf meinem Notebook erklärte die Sendung so:

Am 6. November wird es ernst in Washington: Bekommt der amtierende demokratische Präsident, Barack Obama, eine zweite Chance oder vertreibt ihn der republikanische Herausforderer Mitt Romney aus dem Amt? Meinungsforscher sagen ein enges Rennen voraus, denn dieser Wahlkampf hat alles, was eine spannende Auseinandersetzung braucht: starke Kandidaten, harte Themen, echte Kontroversen. Amerika steht einmal mehr vor einer Richtungsentscheidung. Der Westdeutsche und der Norddeutsche Rundfunk nehmen den Kampf ums Weiße Haus zum Anlass, um Barack Obama, Mitt Romney, ihren Charakter, ihre Ziele und ihren Wahlkampf in einer langen Amerika-Nacht gründlich unter die Lupe zu nehmen. Dabei trägt die Redaktion nicht nur die schönsten, spannendsten und spektakulärsten Geschichten aus dem Vorfeld dieser US-Wahl zusammen, sondern zeigt auch historische “Schätze” aus den öffentlich-rechtlichen Archiven, darunter einige der ganz frühen USA-Berichte der damaligen ARD-Korrespondenten – natürlich noch in schwarz-weiß. Rückblicke auf prägnante Wahlkämpfe der US-Geschichte zeigen, was damals schon genauso war wie heute und was ganz anders. Die ausgewählten Filme laufen am Freitag, dem 2. November 2012, ab 23.30 Uhr als moderierte Collage im Ersten. Durch die lange Nacht führen WDR-Chefredakteur Jörg Schönenborn und NDR-Chefredakteur Andreas Cichowicz. Sie begrüßen die Zuschauer aus Washington, D.C., und dem politisch diesmal besonders hart umkämpften Bundesstaat Virginia.

Direkt auf die Wahlkampf-Story folgten Berichte über das Elend in Amerika, in einem Amerika, wo jetzt ein Super-Multimillionär nach dem höchsten Amt in der Politik greifen möchte. Als Gouverneur in einem US-Bundesstaat führte er einen Gesundheitsdienst ein, der insbesondere auch den Armen nützte. Jetzt – im Wahlkampf – verspricht er den Wählern, die von Obama eingeführte Gesundheitsfürsorge “Health Care” wieder abzuschaffen, die vielen Millionen Amerikanern erstmals eine Krankenversicherung verschaffte. Er verspricht, allen Amerikanern – auch den Superreichen – die Steuern zu senken und die Ausgaben für das Militär um etliche Milliarden US-Dollar aufzustocken.
Da schimmert der unselige und seiner Zeit von Präsident Eisenhower befürchtete “militärisch-industrielle Komplex” durch, der den großen Wirtschaftsunternehmen und den USA insgesamt eine Vorherrschaft in der ganzen Welt verschaffen soll, notfalls eben – wie man inzwischen weiß – auch durch Krieg unter “false flag”-Vorwänden.
Wer es noch nicht weiß:

militärisch-industrieller Komplex,
auf C.W. Mills und D.D. Eisenhower zurückgehende Bezeichnung für eine industrielle, militärische, wissenschaftliche und politische Interessenverbindung, die aufgrund ihrer engen Verflechtung nicht mehr parlamentarisch zu kontrollieren ist und so zu einem nicht legitimierten Machtzentrum im Staat wird.
(nach dem F. A. Brockhaus für Personal Computer)

Und wer jetzt nicht begreift, um was es dabei geht und wie sich das auswirkt, dem ist nicht zu helfen, der braucht auch keine aufklärenden Beiträge in der gedruckten Presse oder im Fernsehen.

Ihn sollte jedoch interessieren, was in der ARD nach dem ersten Beitrag folgte. Da wurde gezeigt, wie es Amerikanern am ganz unteren Ende der Wohlstandsskala und an der Spitze der Armutsstatisik ergeht.
Man kann es kaum nur mit Worten beschreiben:
Da vegetieren Menschen bis zur Deprivation wie eine ausgesonderte und “überflüssige Biomasse Mensch” in einem Land, wo Oligarchie, Korporatokratie und ein infames Finanzsystem einer ganz kleinen Gruppe unermesslichen Reichtum ermöglichten; in einem Land, das Arme als “gescheiterte Existenzen” behandelt, die es lediglich nicht verstanden, den Marschallstab aus ihrem Tornister hervor zu kramen. Pechvögel halt…
Einen kleinen Überblick, der auch alle Menschen auf dieser Welt betrifft, verschafft dieses Video:

http://www.youtube.com/watch?v=1SXDx3C_XRk&hd=1

Bedrückende Bilder wurden in der ARD vorgesetzt, so bedrückend und gleichzeitig irritierend, dass selbst Hartz IV-Bezieher in der Bundesrepublik Deutschland sich vergleichsweise wie in einem Schlaraffenland fühlen könnten. Auch wurde vorgeführt, wie Behörden in Amerika mit Bürgern umgehen, und zwar so exzessiv, dass deutsche Behörden dagegen fast wie untätig erscheinen mögen, auch wenn sie mal “durchgreifen”.

Während die ARD historische Ereignisse und Berichte von teils verstorbenen Korrespondenten aus der Klamottenkiste kramte, rief der Freund wieder an.
“Na?”
“Ja.”
In dem Moment begann im Ersten ein anderer Bericht, der sich – wieder in Farbe – mit den Wohlfahrtsempfängern in Amerika befasste. Diese werden von der “arbeitenden und steuerzahlenden Bevölkerung” üblicherweise als “Schmarotzer” betrachtet.
So kam es auch zu Mitt Romney’s “Ausrutscher”, als er bei der Werbung um Wahlkampfgelder in einer geschlossenen Gesellschaft 47% der amerikanischen Bevölkerung als Schmarotzer bezeichnete, auf deren Stimmen es Obama abgesehen habe. Zu seinem Pech wurde er dabei heimlich auf Video aufgenommen:

http://www.youtube.com/watch?v=XnB0NZzl5HA&hd=1
(Am 3.11.2012 um 2:30 Uhr hatte das Video 3,2 Mio. Aufrufe!)

Mein Freund am Telefon ließ sich Zeit, mit mir zusammen nach den kompromittierenden Videos bei YouTube zu suchen. Zwischendurch warf er ein, solche Zustände würden auch Europa drohen, wenn man der EU unter dem “Merkel-Regime” nicht wieder etwas Gewissen gegenüber den Bürgern beibringen könne.
“Stimmt’s?”
“Sieht so aus.”
“Ehe der Finanzwelt nicht die Zähne gezogen werden, passiert da nichts. Da werden vor allem Zahlen hin und her geschoben, wobei als Gewinne Gelder draufgehen, die der Realwirtschaft entzogen wurden…”
“Ach ja, wer mit den Haien badet, kann auch gefressen werden. Siehst du gerade, was die im Fernsehen über den Krieg mit Drohnen berichten?”
“Ja. Und die Investment-Banker sind die Drohnen der Geschäftsbanken. Die führen Krieg gegen die Sparer, die ihr Bares nicht ausgeben, sondern zur Seite legen.”
“Ach ja, der große Knall kommt sowieso. Dann geht’s von vorn los. Aber die Sachwerte gehören dann den Banken und den Eliten. – Was soll’s, wenn ich Glück habe, bin ich dann schon unter der Erde…
Vielleicht bin ich vorher auch mit meinem Buch „Das Glück der Tausendjährigen“ fertig.
Das wandert schon seit über zehn Jahren durch meine Rechner…”

Nach einem Bericht aus Plant City, das meistens so wählt wie die gesamten USA, wurde eine Reportage gesendet, die in ihrer Thematik und Aussage auch aus Deutschland hätte kommen können: Wähler waren sauer, weil die Politik nicht jene Wohltaten hatte regnen lassen, auf die sie bei der Wahl gehofft hatten.

Die Uhr war schon über die dritte Morgenstunde hinweg geruckt. Da stand noch allerhand bevor, bis es um 04:30h heißen würde “Die spinnen, die Amerikaner“.
Ehe mein Freund sich von mir verabschiedete, schenkte er mir noch ein:

“Der Mensch ist ein Unfall der Natur, und die Amerikaner sind ein Unfall der Menschheit.”

Mag sein.

Nachtrag am Mittag des gleichen Tages

Zu meinem Buch „Das Glück der Tausendjährigen“ fiel mir ein, einmal in den Rechnern und Laufwerken zu stöbern und nach dem Buch bzw. der “letzten Version” des Manuskriptes zu suchen.
Traurig, wie viel Schimmel ich dabei wegwischen musste.

Schlimmes kam zutage: Da war ein komplettes Buch, dass Mitte der 90-er Jahre angefangen war und dann “in Vergessenheit” geriet. Ich konnte nicht auf Anhieb einen Verleger finden, und dann geriet im Zuge von Um- und Aufbauten alter und neuer Rechner die Festplatte mit den druckfertigen Manuskripten “ins Abseits”.
Als diese Festplatte (und sogar eine Backup-Festplatte von ihr!) wieder auftauchte, hatten sich zwischenzeitlich so viele andere Interessen in den Vordergrund gedrängt, dass kaum Zeit blieb, den mittlerweile – gefühlt – “alten Kram” neu aufs Tapet zu bringen.

Das Glück der Tausendjährigen“ zog ich samt etlicher Hintergrundinformationen, die ich mir zugelegt hatte, allerdings heraus, um es dann bis dato zu verschlabbern. Es gefiel mir nicht mehr, und so beschloss ich, es als eine Erzählung völlig neu anzufangen. Und zwar wollte ich „Das Glück der Tausendjährigen“ auf die Weise den potentiellen Lesern verklickern, dass ich erst die Spracherkennungssoftare…

Das Software-Paket mit Headset

…installieren wollte, um dann frei von der Leber weg wirklich zu “erzählen”, während der Rechner aufschreibt. Das mit der Software funktionierte blendend, das mit dem Erzählen lässt bis heute auf sich warten.

Immerhin:
Die notwendigen Hintergrunddaten waren schon zu PDF-Dokumenten ausgegeben worden, um sie beim “Erzählen” jederzeit greifbar zu haben und einsehen zu können.
Wer will, kann sie sich ja einmal ansehen: HIER und HIER.

Auch ein mittlerweile mehr als eineinhalb Jahrzehnte altes und “verschimmeltes” und dennoch aufschlussreiches “Buch” zu einem anderen Themenfeld ist noch da und kann HIER gefunden werden. (Wer sich antut, das PDF zu lesen, soll sich nur fühlen, als stöbere er in meinem Bücherschrank herum, um hier und da zu blättern. Als “Veröffentlichung” im juristischen Sinne ist der Links absolut nicht gedacht.)
Ein Kapitel daraus werde ich vielleicht hier in WordPress posten.

About consulting

Inaktiver Print-Journalist und TV-Realisator. Schwerpunkt: PC-IT und Multimedia einschl. (später privater) Video-Produktion.
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